Schutz und Pflege im Val di Prato

Schutz und Pflege ökologisch wertvoller Gebiete im Val di Prato

Kurzfassung

In den Bundes- und Kantonsinventaren für Naturdenkmäler und schützenswerte Bereiche des Bundesamts für Natur und Landschaft sind die Moorlandschaften der Alpe Fontana (Corte Piatto) sowie einige schützenswerte Trockenwiesen (Presa und Faed) und zahlreiche Amphibienlaich­gebiete gelistet. Diese Gebiete gehören zum Lavizzaratal, dem oberen Teil des Maggiatales im Tessin.

Das Projekt wurde in drei in sich geschlossene Teilprojekte gegliedert, welche jeweils unabhängig voneinander implementiert werden können.

  • Schutz und Aufwertung der Feuchtgebiete in Campala und Piatto.
  • Bewirtschaftung der Waldweiden von Fontana, Campo und Campala
  • Vergrössern der Waldweidefläche und Erschliessung der Alpe Pertüs

Im Jahr 2015 sollen die Vorbereitungsarbeiten für das Projekt durchgeführt werden. Projektstart ist im Frühjahr 2016. Die Projektkosten betragen insgesamt CHF 150‘000.–.

 

Der Hintergrund

Wegen der Abgeschiedenheit der Bergregion im oberen Maggiatal und den fehlenden wirtschaftlichen Möglichkeiten haben im 20. Jahrhundert die jungen Leute ihre Heimat verlassen und sich in Locarno, Lugano und anderen Wirtschaftsräumen des Tessins niedergelassen. In vielen Weilern leben mehrheitlich betagte Menschen. Die Orte sterben aus. Dies zwang die Gemeinden des Kreises Lavizzara zum Zusammenschluss zu einer einzigen Gemeinde. Vom gesamten Gemeindeareal von über 187 km² sind mehr als die Hälfte, nämlich 53.9%, unproduktive Flächen (meist Gebirge und Seen). Weitere 30.2 % sind von Wald und Gehölz bedeckt. Nur 15.2% der Gemeindefläche können landwirtschaftlich genutzt werden; überwiegend sind dies Hochalpen, welche nur Viehzucht (Schafe, Ziegen und Kühe) zulassen. Das restliche Gebiet von 0.7% ist Siedlungsfläche. Die Nutzungsaufgabe von schwierig zu bewirtschaftenden Flächen in der Mitte des letzten Jahrhunderts hat einen beträchtlichen Verlust an Landschaftsvielfalt, Lebensräumen, Arten und Kulturrassen in den Alpen verursacht. Nach Jahrhunderten der Alpkultur mit Rindern und Ziegen wurde die Landwirtschaft im Zuge der stetigen Abwanderung in die Städte aufgegeben und die Alpen verwilderten schliesslich.

Das Val di Prato liegt auf der linken Seite des Maggia-Flusses im oberen Maggiatal. Das Tal öffnet sich in Richtung Westen und gehört zur neuen Gemeinde Lavizzara (Ortsteil Prato Sornico). Es wird charakterisiert durch eine majestätische Gebirgskette mit dem Pizzo Campo Tencia (3’071 m ü.d.M.), dem höchsten Tessiner Gipfel, dem Pizzo Barone (2’864 m ü.d.M.) und der Corona di Redorta (2’804 m ü.d.M.).

Zielgebiet Val di Prato

Das Val di Prato liegt auf der linken Seite des Maggia-Flusses im oberen Maggiatal. Das Tal öffnet sich in Richtung Westen und gehört zur neuen Gemeinde Lavizzara (Ortsteil Prato Sornico). Es wird charakterisiert durch eine majestätische Gebirgskette mit dem Pizzo Campo Tencia (3’071 m ü.d.M.), dem höchsten Tessiner Gipfel, dem Pizzo Barone (2’864 m ü.d.M.) und der Corona di Redorta (2’804 m ü.d.M.).

Aktuelle Lage

Der beachtliche Höhenunterschied wirkt sich deutlich auf die Vegetation des Val di Prato aus: Ausgehend von 742 m ü.d.M. in Prato, steigt die Landschaft bis zum Pizzo Campo Tencia auf 3’071 m ü.d.M. an; auf einer Strecke von 6 bis 7 Kilometern geht die Vegetation von den typischen Kastanienwäldern am Fuss der Berge zu den alpinen Wiesen in den höher gelegenen Regionen über. Die Wälder des Val di Prato zeichnen sich heute durch zum Teil langjährige und kräftige Buchen- und Tannenbestände in der Gebirgsregion und Lärchenhaine in den subalpinen Bereichen aus. Die heterogene Morphologie der Landschaft führte zur Bildung eines vertikal und horizontal sehr vielfältig strukturierten Waldbestands mit unterschiedlichen Altersklassen, Zusammen-setzungen und Durchmischungen von grossem landschaftlichen und natürlichem Wert, wie zum Beispiel Gestein, Felsblöcken, Lichtungen, abgestorbenen Bäumen und Wasserläufen. Zu den Randerscheinungen des Waldbestands gehören die ausgedünnten und beweideten Wälder rund um die Bergbauernhöfe, die Biotope von Campala und Piatto (Alpe Fontana) sowie die Kastanienwälder am Taleingang. In den Waldinventaren des kantonalen Richtplanes ist das kleine Wäldchen von Pertüs und die Kastanienwälder am Taleingang als „Gebiet mit hohem landschaftlichem Wert“ aufgelistet.

Die Fauna des Val di Prato wurde bisher noch nicht sehr genau studiert. Daher sind die verfügbaren Informationen – vor allem über den Bestand an Wirbellosen – sehr begrenzt. Die im Val di Prato vertretenen Wirbeltier- und Vogelarten dagegen entsprechen den typischen Arten, die in den Tälern südlich der Alpen heimisch sind. Im Allgemeinen wird der Übergangsbereich zwischen den Lärchenwäldern und den alpinen Regionen in Bezug auf die Fauna als sehr interessant betrachtet. Da die land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeiten jedoch aufgegeben wurden, haben sich Sträucher und Bäume bereits übermässig ausgebreitet und dadurch die freien Flächen minimiert. Lichtungen spielen jedoch eine wichtige Rolle bei der Diversifizierung der Lebensräume und damit bei der Förderung der Artenvielfalt.

In Mooren kommen seltene Tier- und Pflanzenarten vor, die auf diese Lebensräume angewiesen sind. Moore müssen jedoch revitalisiert werden, wenn sie erhalten werden sollen. Moorschutz ist nicht nur Naturschutz, sondern langfristig auch Klimaschutz. Die Torfböden in der Schweiz enthalten etwa 48 Millionen Tonnen organisch gebundener Kohlenstoff und stellen somit einen wichtigen Kohlenstoffspeicher dar. Die Stiftung Lavizzara möchte die wenigen Moorgebiete im Val di Prato erhalten und pflegen. Die Feuchtgebiete tragen massgeblich zum Mikroklima des Ökosystems in der Berglandschaft bei.

 

Projekt: Schutz und Pflege ökologisch wertvoller Gebiete im Val di Prato

Das Projekt wurde in drei in sich geschlossene Teilprojekte gegliedert, welche jeweils unabhängig voneinander implementiert werden können. Je nach Spendeneingang ist es uns möglich die Vorbereitungsarbeiten noch in diesem Jahr zu realisieren.

Schutz und Aufwertung der Feuchtgebiete in Campala und Piatto

Mit dem Bau kleiner Stauwehre und kleiner Tümpel sollen die wertvollen Hochmoore revitalisiert werden. Schutzzäune verhindern den Zugang durch Mensch und Wild.

(A)  Das erste Feuchtgebiet befindet sich auf ca. 1600 m ü.d.M. in der Nähe des neuen Bauernhauses. Es handelt sich um ein nicht im Inventar verzeichnetes Sauergrasmoor.

(B)  Das zweite Feuchtgebiet befindet sich auf ca. 2200 m ü.d.M. in der Nähe von Corte Piatto (Alpe Fontana). Das Sauergrasmoor ist von kantonaler Bedeutung und wurde entsprechend inventarisiert. Der Erhaltungszustand ist gut, aber es sind zusätzlich noch vorbeugende Schutzmassnahmen erforderlich.

Bewirtschaftung der Waldweiden von Fontana, Campo und Campala

Die Waldweiden sollen durch Beschnitt der jungen Bäume und Büsche wieder bewirtschaftet werden. Das gefällte, entlaubte und geschnittene Holz kann direkt vor Ort ausserhalb der landwirtschaftlichen Nutzflächen gestapelt werden und bietet somit ökologische Nischen für Flechten, Moose, Pilze, Insekten und kleine Säugetiere. Das Gebiet umfasst 40‘000m2.

Vergrössern der Waldweidefläche und Erschliessung der Alpe Pertüs

Die Massnahmen für die Alpe Pertüs entsprechen jenen der Alpen Fontana, Campo und Campala. Das Gebiet umfasst 10‘000m2.

Projektmanagement

Die Durchführung der Arbeiten ist für die Dauer von 2 Jahren geplant. Die Stiftung Lavizzara übernimmt die Implementierung des Projekts und die Mittelbeschaffung. Der Projektbeginn mit den Vorbereitungsmassnahmen ist auf Mitte des Jahres geplant. Die Umsetzung findet ab Frühjahr 2016 statt.

  • 16. August 2016