ALPE DI LARECC

Prächtige Weiden krönten einst die Alpe di Larecc mit ihrer unschätzbar wertvollen Alpenkultur. Doch heute liegt die wunderschöne Alp brach und verwildert. Wo einst Rinder und Ziegen weideten, breitet sich um die halbzerfallenen Berghütten der Wald aus. Jahrhundertealte Alpentraditionen sind dem Untergang geweiht… Deshalb setzen wir uns mit aller Kraft für die Wiederbelebung der Alpe di Larecc ein. Wir wollen gewährleisten, dass Hirten mit ihrem Vieh wieder auf sicheren Pfaden zu den sattgrünen Weiden der Alpe di Larecc gelangen, mit Trinkwasser versorgt sind und in intakten Ställen und Berghütten Unterschlupf finden. Auch Naturfreunden soll es möglich sein auf instandgesetzten Pfaden zu benachbarten Alpen zu wandern und sich an kulturlandschaftlichen Schätzen zu erfreuen!

Auf dem Gebiet der früheren Gemeinde von Broglio (heute Lavizzara) befindet sich die Alpe di Larecc mit ihrer jahrhundertealten Alpenkultur. Doch heute liegt sie brach. Wo einst Rinder und Ziegen weideten, breitet sich rings um die halbzerfallenen Berghütten der Wald aus. Die wunderschöne Alp verwildert seit der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts, als die Landwirtschaft im Zuge der Industrialisierung aufgegeben wurde.
Das Hauptziel unseres Projekts ist die Wiederbelebung der Alpe di Larecc aufgrund der landwirtschaftlichen und landschaftlichen Erschliessung und der Wiederherstellung des Alpbetriebs. Dies umfasst die Rückgewinnung und Kultivierung der wichtigsten, von Wald und Rhododendren überwucherten Viehweiden, den Wiederaufbau und die Renovation von Gebäuden und Brunnen, den Bau von Wasserleitungen und die Instandsetzung von Zugangspfaden für das Vieh. Zu unseren Zielen gehören auch die Wiederherstellung einiger Artefakte durch traditionelle Arbeitstechniken und die Erschliessung von kulturlandschaftlichen Besonderheiten, wie zum Beispiel der Weisstanne bei Piano dei Müresc. Zudem ist es uns wichtig, Einwohner und Touristen für die historische und kulturelle Bedeutung der alten Alpen des Lavizzaratals zu sensibilisieren. Die Rückgewinnung der Alpe di Larecc ist ein Projekt, das sich in den Gesamtkontext der landwirtschaftlichen und landschaftlichen Erschliessung des Val Lavizzara integriert und die kantonalen Ziele zur Erhaltung des Kultur-, Umwelt- und Landschaftserbes berücksichtigt.
Das Projektgebiet erstreckt sich von Cantone bis zum Pizzo di Brünesc, verläuft südwärts entlang des Kamms bis zum Pizzo Paraula und in nördlicher Richtung entlang des Ri di Casella bis auf die Höhe von Verzetto. Im tiefer gelegenen Teil des Projektgebiets wachsen hauptsächlich Buchen und Fichten, die in höheren Lagen in Lärchenwälder mit grasbewachsenem Unterholz oder Rhododendron übergehen. Schliesslich gelangt man an die obere Waldgrenze, wo Gräser und Sträucher den Luv abfangen und eine felsige Landschaft vorherrscht.
Weil die Alpe di Larecc seit vielen Jahren nicht mehr betrieben wird, breitet sich der Wald immer mehr aus. Die Rückgewinnung der landwirtschaftlich bedeutenden Flächen gehört deshalb zu den wichtigsten Massnahmen zur landwirtschaftlichen Erschliessung der Alpe di Larecc. Die weitläufigen Weideflächen, welche früher die Alp umgaben, sind heute grösstenteils von Rhododendren überwuchert oder bewaldet. Da die bestehenden offenen Weiden die Futterversorgung von Milchkühen nicht garantieren, müssen die Bäume zurückgeschnitten und ausgewachsene Lärchen gefällt werden, um Lichtungen schaffen. Zudem soll auf der Alp schottisches Hochlandrind angesiedelt werden, welches besonders zur Beseitigung der Rhododendron beiträgt. Dazu braucht es die Schaffung eines
funktionalen Zugangs zur Alp durch die Instandsetzung der alpinen Pfade.
Derzeit ist die Alpe di Larecc jedoch nur vom Monte di Cima di Menzonio über einen Bergpfad erreichbar, welcher dringend erneuert werden muss, zumal im Winter 2008/09 eine Lawine vom Kamm des Pizzo di Brünesc mehr als 300 Meter des Pfades mit sich gerissen hat. Früher gab es noch einen Pfad von der Alpe di Larecc zur Alp von Cantone, der heute auf langen Abschnitten kaum mehr erkennbar ist, da er nicht mehr benutzt wurde, seit man die Alp verlassen hatte. Dieser Pfad war sehr bedeutend, weil er den Hirten je nach Zustand der Weiden die Überführung des Viehs von einer Alp zur anderen ermöglichte. Die Instandsetzung des Pfades vom Monte di Cima di Menzonio wie auch der Treibpfade zu den Weiden des Piano dei Müresc und zur Alp von Cantone sind daher für die Wiederbelebung der Alpe di Larecc sehr wichtig!·
Auch die Gebäude der Alpe di Larecc befinden sich in einem desolaten Zustand. Sowohl der Bauernhof für die Hirten, welcher derzeit als Unterkunft für Jäger und Wanderer dient, als auch der Stall, dessen Struktur dem geplanten Viehbestand auf der Alp angepasst werden soll, benötigen fast einen kompletten Wiederaufbau. Unter der Wahrung ihrer wesentlichen Merkmale bedürfen beide Gebäude dringender Instandsetzungsarbeiten, so zum Beispiel der Erneuerung der Dachabdeckungen aus Stein. Zudem soll der Bauernhof eine modernere Innenausstattung und Solarkollektoren zur Stromversorgung erhalten. Vorgesehen sind auch die Anbindung an das Trinkwassernetz und die Beräumung rund um die Gebäude. Im Stall müssen die Böden erneuert werden, und oberhalb des Gebäudes
braucht es einen Abwasserkanal, um das Wasser vom Abhang abzuleiten.
Da es auf der Alpe di Larecc wenige Quellen und Wasserläufe gibt, wird eine hauptsächlich unterirdisch verlegte Wasserleitung benötigt, welche sowohl die Alpe di Larecc als auch die näher zum Tal hin gelegenen Weiden mit Trinkwasser aus den Quellen des Ri di Casella versorgt und das Wasser schliesslich zum Monte di Cima und zum Corte Piatto transportiert.
Im Rahmen des Baus dieser Wasserleitung sind drei neue Brunnen für landwirtschaftliche Zwecke geplant. Diese sollen die bereits bestehenden Brunnen auf der Alpe di Larecc ergänzen, welche vor ihrer Benutzung erneuert werden müssen. Im Zuge der Wiederherstellungsarbeiten der Alpe di Larecc sieht unser Projekt neben der landwirtschaftlichen Aufwertung auch Massnahmen zur landschaftlichen Erschliessung vor, welche aus kultureller und touristischer Sicht von grossem Wert sind:

Die Instandsetzung von Treibpfaden für das Vieh dient auch Wanderern oder Jägern. So zum Beispiel der Pfad von Piano dei Müresc nach Verzetto, welcher sich in einem ziemlich guten Zustand befindet und nur wenige Verbesserungsarbeiten benötigt. Als touristische Attraktion soll die Fertigstellung des gesamten Pfadsystems den Wanderern einen Rundgang zwischen Cantone, der Alpe di Larecc, Verzetto und dem Monte di Cima ermöglichen.

Entlang der bereits vorhandenen oder geplanten Pfade befinden sich einige interessante Siedlungsstrukturen und repräsentative Stellen, wie die Splüi zwischen Cantone und Alpe di Larecc, die alte Steintränke der Alpe di Larecc oder die „Mammut“-Weisstanne in Piano dei Müresc. Im Splüi, einer sehr interessanten Struktur mit einem grossen Felsblock als Dach, wird der Käse der Alp hergestellt. Hier sind die Instandsetzung der äusseren Mauern, Aufräumarbeiten im Inneren und eine leichte Absenkung des Bodens vorgesehen, damit das Gebäude bei schlechtem Wetter als Unterschlupf genutzt werden kann. Zudem soll die majestätische „Mammut“-Weisstanne in Piano die Müresc durch die Befreiung von der umliegenden Vegetation zugänglich werden.

Die Durchführung der Arbeiten ist für die Dauer von 3 Jahren geplant. Die Arbeiten an den Artefakten werden so weit wie möglich mit traditionellen Techniken und Materialien der Gegend ausgeführt. Während der ersten Jahre des landwirtschaftlichen Betriebs der Alp ist die Sömmerung von Schottischen Hochlandrindern geplant, welche einen Teil der Weiden auf natürliche Weise urbar machen. Ausserdem ist ein Hirt mit Erfahrung in der Forstwirtschaft empfehlenswert, welcher sich auf der Alp um die Kultivierung des Bodens kümmert. Durch diese Massnahmen können Arbeitskosten für die Rückgewinnung der Weideflächen eingespart werden, was eine Verkürzung der Projektdauer ermöglicht.
  • 11. August 2016