Einführung zum Projekt Alpe della Bèdu

Robuste Bauernhäuser und intakte Ställe auf den drei Hochalmen der Alpe della Bèdu beherbergten vor Jahrhunderten Bauern, die fruchtbare Weiden kultivierten! Heute sind fast alle Gebäude zerfallen und der Wald breitet sich immer mehr aus – eines der eindrücklichsten Zeugnisse lokaler Tradition und landwirtschaftlicher Alpnutzung wird unaufhaltsam überwuchert…
Wir wollen eine der Hochalmen retten, um abenteuerlustigen Wanderern ein unvergessliches Erlebnis in diesem kulturträchtigen Alpengebiet mit antiken Pfaden zu ermöglichen! Ein renoviertes Bauernhaus soll als Schutzhütte mit Schlaf- und Verpflegungsmöglichkeit dienen – als Wanderbijou auf der Entdeckungsreise in eine unglaublich schöne Bergwelt!

Auf dem Gebiet der alten Gemeinde Cavergno, wo sich die Täler Lavizzara und Bavona verzweigen, liegt die Alpe von Bèdu. Der Name dieser kargen Alm stammt von „betulla“, dem italienischen Wort für Birke. Die ersten Dokumente, welche die Weidewirtschaft auf der Alp bezeugen, gehen auf das Jahr 1561 zurück. In jenem Jahr wurde benachbarten Almbetreibern die Erlaubnis erteilt, auf der Alpe von Bèdu im Sommer die Zicklein und außerhalb der Saison die Rinder weiden zu lassen. Danach finden sich in den Archiven keine weiteren Hinweise auf die Nutzung der Alp. Vermutlich war die Alpe von Bèdu die erste Alm im Bavonatal, die verlassen wurde.
Die Alp bestand aus drei Hochalmen: die Corte di Fondo auf 1350 m, die Corte di Mezzo auf 1470 m und die Corte di Cima auf 1600 m Höhe. Auf allen drei Almen standen Ställe für die Tiere und Bauernhäuser für das Personal. Während sich auf der Corte di Fondo ein Stall und ein Bauernhaus und auf der Corte di Mezzo zwei Ställe und ein Bauernhaus befanden, gab es auf der Corte di Cima zwei Ställe und zwei Bauernhäuser, da diese Hochalm von zwei Familien, den Scudellaros und den Solarinos, genutzt wurde. Heute ist die Corte di Fondo derart zerfallen, dass sie schwerlich auszumachen ist, und auch die Corte di Mezzo befindet sich in einem beinahe irreversiblen Zustand. Gegenstand unseres Projekts ist daher die Hochalm Corte die Cima, auf der ein Bauernhaus verhältnismässig unbeschadet geblieben ist. Durch das Dach dringt jedoch Regenwasser ein und gefährdet die Dachkonstruktion. Zudem überdeckt ein üppiges Buchenwäldchen, das an die höher gelegenen Lärchen grenzt, die einst sehr fruchtbaren Weiden der Corte di Cima und bedroht das Bauernhaus. Die großen
„Becken“, die zur Wassergewinnung in die umliegenden Felsen gegraben wurden, sind heute ebenfalls von der Vegetation überwuchert. In einem ähnlich schlechten Zustand befinden sich die verschiedenen Zugänge zur Alp: die Strada delle Vacche, der Pfad für Menschen und Ziegen sowie mehrere Abkürzungen. All diese Wege sind heute sehr schwer begehbar.
Aus einem dieser Zugangswege einen offiziellen Berg- oder Alpweg zu schaffen, ist zwar angesichts der immensen Kosten nicht sinnvoll, doch ist die Hochalm Corte di Cima ein überaus lohnenswertes Ziel für alle, die auf der Suche nach antiken, einsamen Wegen sind! Deshalb ist das Ziel unseres Projektes nicht die landwirtschaftliche Wiederbe weidung, sondern die historisch-kulturelle Rückgewinnung der Hochalm. Denn für abenteuerlustige Wanderer auf Entdeckungsreise bietet die Corte di Cima ein höchst bewegendes Erlebnis eines der eindrücklichsten Alpengebiete!
Wanderer, die von der Cogliata oder von den Bergen von Cavergno aufsteigen, müssen heute wegen fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten innerhalb eines Tages wieder zum Tal absteigen. Mit der Schaffung einer spartanischen Schutzhütte könnten sie jedoch auf der Corte di Cima übernachten und am nächsten Tag weiter nach Cantone oder Fiorasca ziehen, ohne ins Tal hinabsteigen zu müssen. Es liegt uns deshalb am Herzen, die Hochalm Corte di Cima als eines der unglaublichsten Zeugnisse landwirtschaftlicher Kultur zu erhalten und vorbeiziehenden Wanderern eine spartanische, aber gemütliche Schutzhütte zur Verfügung stellen. Dazu sind auch Forstarbeiten notwendig, da die Ausbreitung des Waldes eine ernste Bedrohung für das Dach darstellt.
Zur Umsetzung unseres Projekts sind Massnahmen zur Instandsetzung des Bauernhauses geplant. Das Bauernhaus soll zu einer kleinen Schutzhütte hergerichtet werden, um Wanderern und Bergsteigern Unterschlupf zu gewähren. Dies beinhaltet die Renovation des Dachs und das Zurückschneiden der umliegenden Vegetation. Um das Bauernhaus als Schutzhütte für Wanderer benutzen zu können, muss der Innenraum aufgeräumt, gereinigt und gemütlich eingerichtet werden. Es braucht Decken, neue Matratzen, Grundnahrungsmittel sowie einen 40-Liter-Kanister für das Trinkwasser, wobei die Nahrungsmittel- und Trinkwasserreserven jährlich kontrolliert werden.
Zur Erneuerung der Dachkonstruktion werden gleichförmige Steinschindeln aus dem Steinbruch und Lärchenstämme benötigt, welche mangels Zufahrtswegen mit dem Hubschrauber transportiert werden müssen. Für das Zurückschneiden der Vegetation ist für den Umkreis von 15 Metern um das Bauernhaus geplant. Ein Teil der gefällten Buchen kann als Brennholz im Inneren des Hauses gelagert werden. Für die zukünftige Instandhaltung fallen alle 10 Jahre erneut Forstarbeiten an.
  • 11. August 2016